Senioren und Technik
Oma versteht doch sowieso keine Technik...

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Genau diesen Satz hat jeder schon einmal gehört oder zumindest gedacht. Wir wollen heute einmal darüber sprechen warum uns das so vorkommt und ob diese Aussage überhaupt stimmt. Sie werden sehen, dass unsere Wahrnehmung uns hier einen Streich spielt. Hieran ist oftmals unsere Erwartung schuld, die wir an ältere Mitmenschen stellen, aber auch die Geräte und Software, die wir unseren Eltern oder Großeltern hinstellen.

Warum haben viele Seniorinnen und Senioren Schwierigkeiten mit modernen Technologien? Senioren und Technik?

Oftmals ist hieran ganz einfach eine verminderte Reaktionsfähigkeit schuld. Das macht mithalten mit schnelllebiger Technologie einfach zur großen Herausforderung und verunsichert ungemein. Dazu zählt auch Social Media mit zu vielen Benachrichtigungen und wenig verständlichem Erscheinungsbild, wir kennen das selbst: einmal das Gefühl der Überforderung, schon ist das Thema gegessen.

Dazu kommt, dass heutzutage sehr viel visuell über kleine Bildschirme oder Bedienelemente zu bedienen ist, die meisten Apps sind einfach überhaupt nicht für Menschen mit Beeinträchtigungen gemacht. So haben in der EU bspw. 9 Prozent der der Seniorinnen und Senioren im Alter von 75 Jahren oder älter schwere Sehbehinderungen während 18 Prozent schwere Einschränkungen beim Hören aufweisen (Eurostat, 2017). Darüber hinaus zeigen US-Statistiken, dass „23 Prozent der älteren Erwachsenen angeben, dass sie einen körperlichen oder gesundheitlichen Zustand haben, der das Lesen schwierig oder herausfordernd macht“ (Pew Research Centre, 2014).

Die Statistik zeigt, Ihre Liebsten sind kein Einzelfall.

Vorwissen für Technologie benötigt! Pech gehabt?

Die sogenannte Medien- oder Technologie-Kompetenz ergibt sich sehr oft auch aus Vorkenntnissen oder Wissen im Bereich Technik. Wenn Ihre Liebsten Respekt oder nicht wissen was zu tun ist mit der Technik, wird sie einfach nicht genutzt. Denn auch hier wieder: Unsicherheit oder die Angst etwas falsch zu machen blockt den kompletten Spaß oder Nutzen, den die Technik bringen könnte. Über 77 Prozent der Seniorinnen und Senioren geben an, dass sie Hilfe benötigen, um den Umgang mit einem Smartphone oder Tablet zu erlernen. Zusätzlich geben 56 Prozent dieser Personen, die bereits online sind, an, sie würden keine sozialen Netzwerke nutzen, da sie Hilfe benötigen würden, um sich mit der Familie und dem Freundeskreis zu vernetzen (Pew Research Centre, 2014).

Die Zahlen zeigen es wieder: Respekt vor Technik siegt aktuell noch. Dies kann dazu führen, dass Seniorinnen und Senioren oftmals nicht am Familienleben teilnehmen können, sich isoliert oder einsam fühlen. Und genau das wollen wir alle nicht! Regelmäßiger Kontakt würde genau diese Gefühle mindern oder komplett verschwinden lassen. Ein schneller, unkomplizierter Anruf wirkt eben wunder. Ein Schnappschuss vom Enkel mit einer kurzen Sprachnachricht direkt aus dem Urlaub zieht Seniorinnen und Senioren wieder in die Familie und in den Freundeskreis. Auch hier hilft wieder ein Blick in sich selbst, wenn Sie sich abgehängt fühlen und weniger beachtet, ins Abseits geschossen, geht das auch oft auf die psychische als auch physische Gesundheit.

Praktische Tipps

Langsam heranführen: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Liebsten, führen Sie sie in einem ruhigen Moment an Neues heran und schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre.

Verständnis zeigen: Werfen Sie Ihre Voraussetzungen über Bord. Ihre Interaktion mit Technik ist gelernt, über Jahre hinweg. Wenn Ihre Liebsten einmal einen Knopf nicht finden, bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich Zeit, auch wenn Sie etwas doppelt erklären.

Einfache Technologie einsetzen: Überforderung und Angst vor Technik ist nicht förderlich. Hier gilt der Grundsatz, weniger ist mehr.

Gewohnheit bilden: Versuchen Sie eine Regelmäßigkeit in den Alltag zu bringen. Das wird Ihren Liebsten helfen neue Dinge im eigenen Tempo kennen zu lernen und so eigenes Wissen aufzubauen. Genau dann beginnt die Freude an Technik.

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