Millionen Menschen über 60 in Deutschland nutzen bereits soziale Netzwerke – Tendenz steigend. Für viele Senioren sind Plattformen wie WhatsApp oder Facebook ein Weg, mit Familie und alten Bekannten in Kontakt zu bleiben.
Aber welche Plattform ist die richtige? Und wie vermeidet man die Fallstricke? Dieser Guide führt Sie Schritt für Schritt ein.
Welche Plattform passt zu mir?
Nicht jedes soziale Netzwerk ist für jeden geeignet. Hier eine ehrliche Übersicht:
WhatsApp (Empfehlung für Einsteiger)
Was es ist: Nachrichten und Anrufe mit Kontakten, die Sie hinzufügen.
Gut für: Familien-Kontakt, Gruppen-Chats, Fotos teilen
Kosten: Kostenlos
Vorteile:
- Einfach zu lernen
- Keine Werbung
- Sprachnachrichten möglich
Nachteile:
- Nur mit Kontakten, die WhatsApp haben
- Gruppenchats können überwältigend sein
Erste Schritte:
- App aus dem App Store installieren
- Telefonnummer verifizieren
- Kontakte werden automatisch erkannt
- "Neue Nachricht" → Kontakt auswählen → Schreiben
Was es ist: Großes Netzwerk zum Teilen von Posts, Fotos, Veranstaltungen.
Gut für: Alte Bekannte finden, lokale Gruppen, Veranstaltungen
Kosten: Kostenlos (mit Werbung)
Vorteile:
- Viele Menschen dort
- Gruppen zu allen Themen
- Veranstaltungen entdecken
- Marktplatz für Lokales
Nachteile:
- Viel Werbung
- Datenschutz-Bedenken
- Kann zeitfressend werden
Soziale Netzwerke sind wie ein Werkzeugkasten. Man kann damit Schönes bauen oder sich in den Finger hämmern. Es kommt darauf an, wie man sie benutzt – und ein bisschen Vorsicht schadet nie.
Was es ist: Fotos und kurze Videos teilen
Gut für: Hobbyfotografen, Enkeln folgen, Inspiration
Weniger gut für: Lange Texte, tiefe Gespräche
Ehrliche Einschätzung: Für die meisten Senioren weniger relevant als WhatsApp oder Facebook. Gut, wenn Sie gerne fotografieren oder Ihren Enkeln folgen wollen.
YouTube
Was es ist: Videos anschauen (und hochladen)
Gut für: Anleitungen, Musik, Dokumentationen, Erinnerungen
Besonderheit: Kein "Netzwerken" nötig – einfach anschauen
Tipp: Suchen Sie nach "Yoga für Senioren", "Kochen einfach erklärt" oder Tutorials zu Ihren Hobbys.
Skype, Zoom, FaceTime
Was es ist: Video-Telefonie
Gut für: Familien-Anrufe, insbesondere über Distanz
Unterschied zu WhatsApp: Oft bessere Videoqualität, aber separates Konto nötig
Privatsphäre schützen – die wichtigsten Einstellungen
Facebook-Privatsphäre (Schritt für Schritt):
- Profil öffnen → Einstellungen → Privatsphäre
- "Wer kann meine Beiträge sehen?" → "Freunde" (nicht "Öffentlich")
- "Wer kann mir Freundschaftsanfragen senden?" → "Freunde von Freunden"
- "Wer kann mich über die Suche finden?" → "Freunde" oder "Freunde von Freunden"
WhatsApp-Privatsphäre:
- Einstellungen → Konto → Datenschutz
- Profilbild → "Meine Kontakte" (nicht "Jeder")
- Status → "Meine Kontakte"
- Zuletzt online → Nach Wunsch ausblenden
Goldene Regeln für alle Plattformen:
- Niemals Adresse oder Telefonnummer öffentlich posten
- Keine Urlaubsankündigungen ("2 Wochen Mallorca!") – Einbrecher lesen mit
- Vorsicht bei Freundschaftsanfragen von Unbekannten
- Keine Passwörter in Nachrichten senden
- Bankdaten gehören nirgendwo ins Internet
Warnung: Diese Gefahren lauern
Romance Scam (Liebesbetrug)
Jemand schickt Ihnen liebevolle Nachrichten, oft über Wochen. Dann: Geldforderung.
Warnsignale:
- Sehr schnelle Liebesbekenntnisse
- Immer ein Grund, warum Treffen nicht möglich ist
- Irgendwann kommt eine Geldforderung
Fake-Profile
Gefälschte Accounts, die aussehen wie echte Menschen.
So erkennen Sie sie:
- Sehr wenige Fotos
- Neu erstelltes Profil
- Keine gemeinsamen Freunde
- Bild-Rückwärtssuche bei Google
Kettenbrief-Unfug
"Teile diese Nachricht an 10 Freunde, sonst passiert etwas Schlimmes!"
Die Wahrheit: Passiert nicht. Ignorieren, nicht weiterleiten.
Hilfe in Ihrer Nähe:
- Digital-Kompass: www.digital-kompass.de – Standorte in ganz Deutschland
- VHS-Kurse: Fast jede Volkshochschule bietet "Smartphone für Einsteiger"
- Seniorenbüros: Fragen Sie nach PC/Handy-Sprechstunden