Pflegegrad beantragen 2026: So gelingt Ihr Antrag
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Pflegegrad beantragen 2026: So gelingt Ihr Antrag

By Julia Schneider • 10. Januar 2026 • 4 Min. Lesezeit

Sie möchten einen Pflegegrad beantragen und fragen sich, wie der Prozess abläuft? Mit der richtigen Vorbereitung und dem Wissen um die aktuellen Begutachtungskriterien erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine angemessene Einstufung deutlich. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Antragsprozess und zeigt Ihnen, worauf es beim MDK-Besuch wirklich ankommt.

So beantragen Sie erfolgreich einen Pflegegrad

Der Weg zum Pflegegrad muss nicht kompliziert sein. Mit der richtigen Vorbereitung und Kenntnis der Begutachtungskriterien erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine faire Einstufung deutlich. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess.

Gesetzliche Grundlage Die Pflegegrade 1 bis 5 wurden 2017 durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) eingeführt. Sie ersetzen die früheren Pflegestufen und berücksichtigen erstmals auch kognitive und psychische Einschränkungen gleichwertig.

Schritt 1: Antragstellung bei der Pflegekasse

Der erste Schritt ist einfacher als viele denken: Ein formloser Antrag genügt vollkommen. Sie können diesen schriftlich, telefonisch oder per E-Mail bei Ihrer Pflegekasse einreichen.

Wichtig für den Antrag:

  • Antragsdatum dokumentieren – Leistungen werden rückwirkend ab Antragstellung gewährt
  • Formulare sorgfältig ausfüllen mit detaillierter Beschreibung der Pflegesituation
  • Relevante Unterlagen beifügen: ärztliche Atteste, Krankenberichte, aktuelle Medikamentenliste
  • Ein Pflegetagebuch über mindestens eine Woche führen – dies ist besonders wertvoll für die Begutachtung
Praxis-Tipp: Pflegetagebuch führen Dokumentieren Sie mindestens 7-14 Tage lang alle pflegerischen Tätigkeiten mit Uhrzeiten. Notieren Sie auch nächtliche Hilfestellungen und die Dauer jeder Unterstützung. Dieses Tagebuch ist Ihr stärkstes Argument bei der Begutachtung.
Die ehrliche und vollständige Darstellung der Pflegesituation beim MDK-Besuch ist der Schlüssel zu einer angemessenen Pflegegrad-Einstufung – falsche Bescheidenheit führt oft zu einer Unterbewertung des tatsächlichen Hilfebedarfs.

Schritt 2: Die MDK-Begutachtung verstehen

Nach Ihrem Antrag beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (MDK) oder bei privat Versicherten MEDICPROOF mit der Begutachtung. Die Terminvereinbarung muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang erfolgen.

Seit 2017 wird nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) bewertet. Der Gutachter prüft dabei sechs Lebensbereiche und vergibt Punkte:

  1. Mobilität – Fortbewegen in der Wohnung, Treppensteigen, Positionswechsel
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – Orientierung, Entscheidungen treffen, Gespräche führen
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen – Unruhe, Ängste, Aggressionen
  4. Selbstversorgung – Körperpflege, An-/Auskleiden, Essen und Trinken
  5. Bewältigung krankheitsbedingter Anforderungen – Medikamente, Arztbesuche, Therapien
  6. Gestaltung des Alltagslebens – Tagesablauf, soziale Kontakte, Beschäftigung

Schritt 3: Die Pflegegrad-Einstufung

Aus der Begutachtung ergibt sich eine Gesamtpunktzahl, die den Pflegegrad bestimmt:

Pflegegrad Punkte Bedeutung
Pflegegrad 1 12,5 – 27 Geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit
Pflegegrad 2 27 – 47,5 Erhebliche Beeinträchtigungen
Pflegegrad 3 47,5 – 70 Schwere Beeinträchtigungen
Pflegegrad 4 70 – 90 Schwerste Beeinträchtigungen
Pflegegrad 5 90 – 100 Schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung
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Schritt 4: Optimal auf den MDK-Besuch vorbereiten

Die Begutachtung findet in der häuslichen Umgebung statt. Eine gute Vorbereitung kann entscheidend sein für die richtige Einstufung.

Das sollten Sie beachten:

  • Alle relevanten Dokumente bereitlegen: Arztbriefe, Medikamentenpläne, das Pflegetagebuch
  • Angehörige oder Pflegedienst einladen – sie können wichtige Ergänzungen liefern
  • Die Pflegesituation ehrlich und vollständig darstellen
  • Beschreiben Sie die schlechtesten Tage, nicht die besten
Wichtig: Keine Beschönigung! Ein häufiger Fehler: Pflegebedürftige zeigen sich von ihrer besten Seite und verschweigen Probleme aus Scham. Der Gutachter kann nur bewerten, was er sieht und hört. Sprechen Sie offen über alle Schwierigkeiten – auch peinliche Themen wie Inkontinenz oder Verwirrtheit.

Häufige Fehler vermeiden:

  • Beschönigung der tatsächlichen Hilfebedürftigkeit
  • Unterschätzung kognitiver Einschränkungen bei Demenz
  • Falsche Selbsteinschätzung des tatsächlichen Zeitaufwands für Pflegetätigkeiten

Schritt 5: Ihre Leistungen nach der Genehmigung (2026)

Nach erfolgreicher Einstufung stehen Ihnen verschiedene Leistungen zu. Hier die aktuellen Beträge für 2026:

Pflegegrad Pflegegeld (häuslich) Pflegesachleistung
Pflegegrad 1 125 € Entlastungsbetrag monatlich
Pflegegrad 2 332 € 761 €
Pflegegrad 3 573 € 1.432 €
Pflegegrad 4 765 € 1.778 €
Pflegegrad 5 947 € 2.200 €

Zusätzliche Leistungen:

  • Wohnraumanpassung: bis zu 4.000 € pro Maßnahme
  • Pflegehilfsmittel: bis zu 40 € monatlich (z.B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel)
  • Kurzzeitpflege: für vorübergehende vollstationäre Versorgung
  • Verhinderungspflege: wenn die Pflegeperson ausfällt

Schritt 6: Widerspruch bei Ablehnung oder zu niedriger Einstufung

Sind Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden? Sie haben das Recht auf Widerspruch – und sollten es nutzen, denn etwa ein Drittel aller Widersprüche ist erfolgreich.

So gehen Sie vor:

  1. Frist beachten: Widerspruch innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Bescheids einlegen
  2. Schriftlich widersprechen mit Begründung, warum die Einstufung zu niedrig ist
  3. Neue Unterlagen beifügen: aktuelle ärztliche Stellungnahmen, ergänztes Pflegetagebuch
  4. Bei Verschlechterung des Gesundheitszustands: Höherstufungsantrag stellen (jederzeit möglich)
Kostenlose Beratung nutzen Pflegestützpunkte und Verbraucherzentralen bieten kostenlose Beratung bei Widerspruchsverfahren. Auch Sozialverbände wie der VdK unterstützen ihre Mitglieder bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.
"Die ehrliche und vollständige Darstellung der Pflegesituation beim MDK-Besuch ist der Schlüssel zu einer angemessenen Pflegegrad-Einstufung."

Die wichtigsten Schritte auf einen Blick

  • Antrag stellen – Formlos bei der Pflegekasse, Datum dokumentieren für rückwirkende Leistungen
  • Pflegetagebuch führen – Mindestens 7 Tage alle Hilfestellungen mit Zeiten notieren
  • MDK-Termin vorbereiten – Dokumente sammeln, Angehörige einbeziehen, ehrlich sein
  • Keine Beschönigung – Schlechteste Tage schildern, alle Einschränkungen benennen
  • Bescheid prüfen – Bei zu niedriger Einstufung innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen
  • Beratung nutzen – Pflegestützpunkte und Sozialverbände helfen kostenlos
Hinweis zur Erstellung dieses Artikels

Dieser Artikel wurde teilweise mit Hilfe von KI erstellt und kann fehlerhafte Informationen enthalten. Die Inhalte dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine professionelle Beratung. Bei Fragen oder Unstimmigkeiten kontaktieren Sie uns bitte unter [email protected].

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